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Geschlossene Räume

Dass die Heidelberger im Allgemeinen und die Weststädtler im Besonderen ihre Eigenheiten haben, stellt man schnell fest, wenn man hier wohnt. Als geschlossene Gesellschaften würde ich sie dennoch nur bedingt bezeichnen, denn dafür ist die Fluktuation unter den Bewohnern hier zu groß. Vermutlich meint meine neue GPS-Laufuhr auch etwas anderes, wenn sie mich beim Joggen in der Weststadt fragt, ob ich mich in einem geschlossenen Raum befinde. Hm, kann man so nicht sagen, denke ich und bin nicht überrascht, als die Frage folgt, ob ich mich als Bewohner dieses Bezirks für etwas besseres halte. In Wirklichkeit möchte die Forerunner305 wissen, ob sie sich seit ihrer letzten Benutzung hunderte von Kilometern bewegt habe und wie das aktuelle Datum ist. Sollte sie das nicht eigentlich mir sagen können?

Aber im Grunde mag ich sie ja, meine Uhr. Sie kann so gut wie alles, was das Läuferherz begehrt. Sie kennt alle möglichen unterschiedlichen Trainingsarten und endlich weiß ich auch, wie weit, schnell, hoch, in welchem Herzfrequenzbereich ich laufe. Dass sie letzteren beim Intervalltraining nicht anzeigen kann, verzeihe ich ihr und auch, dass sie aussieht, als würde man sein Telefon am Handgelenk tragen. Oder sein Netbook. Nur, dass es immer ewig dauert, bis genügend Satelliten hergestellt hat, ist furchtbar nervend. Nichts ätzt mehr an, als wenn man loslaufen will und dann fünf Minuten rumstehen muss, bis die Ortung funktioniert. Gestern hatte ich schon ca. drei Kilometer hinter mir, als die Forerunner endlich wusste, wo sie ist.  Oder wenn man die Autopausen-Funktion aktiviert hat und die Uhr während des Laufens alle Nase lang piept und behauptet, man würde sich nicht bewegen. Autopause ist bei mir nun per default deaktiviert.

Aber wer weiß – vielleicht ist die Weststadt ja wirklich ein geschlossener Raum. Dann kann ich nur hoffen, dass Zürich die offene Weltstadt ist, die sie zu sein behauptet.

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Lauftagebuch: Weißer Stein

Der Weiße Stein liegt 548 Meter über dem Meeresspiegel nördlich von Heidelberg. Dorthin bin ich heute meine bisher anspruchsvollste Strecke gelaufen. Vom Römerkreis aus überwindet man dabei eine Höhendifferenz von 436 Metern. Da ich ohne Karte, Kompass oder GPS-Gerät unterwegs war und die Waldwege vor Ort eben doch immer völlig anders aussehen, als GoogleMaps oder GoogleEarth es haben aussehen lassen, muss ich mich auf dem Hinweg ein paarmal leicht vertan haben, so dass es wohl nicht bei den angegebenen 9.3k für den Hinweg blieb. Auf dem Rückweg war noch ein kleiner Umweg über die Thingstätte auf dem Heiligenberg drin.

Insgesamt betrug die Strecke ca. 20k. Am anstrengsten finde ich persönlich immer den Anfang; die ersten 5k braucht mein Körper, so scheint es, allein, um die Pumpe auf Trab zu bringen. Wenn man von Heidelberg aus seine Touren nicht gerade nach Westen orientiert, d.h. zur Rheinebene, dann kommt immer nach spätestens 3k die erste Steigung. Diesmal war ich oben am Philosophenweg schon etwas aus der Puste und konnte den einen ebenen Kilometer Panorama-Blick aufs Schloss gut gebrauchen. Ab dem Ende des Philosphenwegs geht es dann nur noch bergauf, wobei die Steigung, mit ein paar Ausnahmen, relativ human und langgestreckt ist. Der Wald auf der Strecke ist (relativ zum Gaiberg oder Königsstuhl) schön einsam und landschaftlich umwerfend – anfangs lichte Buchenbestände, viele Farne, weiter oben dann Nadelbäume und dichtes Unterholz. Zeitweise ist der Wald so dunkel und wild, dass mann genausogut kurz vor der nördlichen Einöde Lapplands laufen könnte. Und als ich schon dachte, nun wäre ich der Zivilisation endgültig entkommen, tat sich vor mir das Höhenrestaurant “Zum weißen Stein” auf, wo es fieserweise nach Schweinebraten und Semmelknödeln roch (man beachte, dass ich da schon ca. 10k hinter mir hatte). Auf dem Abstieg von der Thingstätte zum Philosophen haben sich meine Beine dann langsam bemerkbar gemacht und die letzten hundert Meter über den Römerkreis bin ich tatsächlich gegangen. Meine Netto-Zeit lag bei wohlwollend geschätzten 1:50h.

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